Aus einer großen Tradition...
Von 1895 bis 1903 fühlte sich die selige Elena Guerra, Gründerin der Oblatinnen des Heiligen Geistes in Lucca (Italien) gedrängt, dem Papst Leo XIII zwölf vertrauliche Briefe zu schreiben, in denen sie darum bat, dass neu und vermehrt über den Heiligen Geist gepredigt würde:
"Pfingsten ist nicht vorbei. In Wirklichkeit währt es überall und jederzeit fort, denn der Heilige Geist verlangte danach, sich allen Menschen zu schenken und alle, die ihn wollen, können ihn jederzeit empfangen. Wir müssen also nicht die Apostel und die ersten Gläubigen beneiden. Wir müssen nur ihre innere Verfassung haben, um ihn wirklich zu empfangen und er wird zu uns kommen, wie er zu ihnen kam."
Um diese Erneuerung herbeizurufen, hielt Sr. Elena es für notwendig, eine weltweite Gebetsbewegung ins Leben zu rufen, die dem Obergemach gleicht, in das die Jünger vor Pfingsten versammelt waren.
Auf die Veranlassung Sr. Elenas hin veröffentlichte der Papst mehrere Dokumente über den Heiligen Geist, darunter die Enzyklika "Divinum illud munus" von 1897. Ebenfalls auf Anregung Sr. Elenas hin rief Papst Leo XIII am 1.1.1901 im Namen der ganzen Kirche den Heiligen Geist an und ließ die Hymne "Veni creator spiritus" singen, um das ganze Jahrhundert dem Heiligen Geist zu weihen. Am selben Tag begann auf einem anderen Erdteil - in Topeka, Kansas (USA) - eine Ausgießung des Heiligen Geistes unter Schülern einer protestantischen Bibelschule, die als Anfangspunkt der weltweiten Pfingstbewegung betrachtet wird, aus der wiederum später die Charismatische Erneuerung in der katholischen Kirche hervorging.
Im Jahr 1997 empfing Kim Catherine-Marie Kollins, eine in Deutschland lebende Katholikin amerikanischer Herkunft, die in der Charismatischen Erneuerung sehr aktiv war, in Rom den Ruf, die Kirche "zurück ins Obergemach" zu rufen. In Anschluss an die prophetische Stimme der sel. Elena Guerra ermutigt Kim Kollins seither Katholiken weltweit, sich für Fürbitte und Eucharistische Anbetung zu öffnen. Der Name für die Bewegung war bald gefunden: "Burning Bush" - "Brennender Dornbusch" (das gleichnamige Buch erschien auf der ganzen Welt in zahlreichen Übersetzungen) Eine besondere Bedeutung kommt hierbei auch der Verwendung der Charismen für die Fürbitte zu. Es war ein historisches Ereignis, als Papst Johannes Paul II. am Pfingstsamstag (29.5.) 2004 auf dem Petersplatz erklärte:
"Veni, Creator Spiritus!"
Am Vorabend von Pfingsten stimmt die ganze Kirche in diesen Gesang ein: "Veni, Creator Spiritus!" Der mystische Leib Christi ruft auf der ganzen Welt den Geist an, von dem er den Lebensatem erhält, der ihn erhält und handeln lässt.
[...]Ich grüße auf besondere Weise die Mitglieder der Erneuerung im Geist (eine Gruppe der italienischen CE), einer der Ausdrücke der großen Familie der katholisch-charismatischen Bewegung. Durch die Charismatische Bewegung haben viele Christen, Männer und Frauen, Junge und Alte, Pfingsten als lebendige und gegenwärtige Realität in ihrem täglichen Leben neu entdeckt. Ich ersehne, dass die Spiritualität von Pfingsten sich in der Kirche ausbreite, als neue Betonung des Gebetes, der Heiligkeit, der Gemeinschaft und der Verkündigung. In diesem Zusammenhang ermutige ich die Initiative, die "Brennender Dornbusch" heißt, die von der italienischen CE gefördert wird. Sie beinhaltet immerwährende Anbetung, Tag und Nacht, vor dem ausgesetzten Allerheiligsten. Sie ist eine Einladung an die Gläubigen, "zurück ins Obergemach" zu gehen, damit sie in der Betrachtung des eucharistischen Geheimnisses, für die volle Einheit der Christen und die Bekehrung der Sünder Fürbitte halten. Ich ersehne zutiefst, dass diese Initiative viele zur Wiederentdeckung der Geistesgaben führen möge, die ihre Quelle in Pfingsten haben.
[...] Ich wiederhole mit Nachdruck, was ich [1998] sagte: Die geistlichen Bewegungen und neuen Gemeinschaften sind die "Antwort der Vorsehung", "inspiriert vom Heiligen Geist", auf die Bedürfnisse der Neuevangelisierung, für die "reife christliche Persönlichkeiten" und "starke christliche Gemeinschaften" gebraucht werden.
Aus diesem Grund sage ich zu Euch: "Öffnet Euch mit Belehrbarkeit den Gaben des Heiligen Geistes! Empfangt mit Dankbarkeit und Gehorsam die Charismen, die der Heilige Geist nicht aufhört, zu schenken. Vergesst nicht, dass alle Charismen für das Wohl aller gegeben sind, für die ganze Kirche!"
"Veni, Sancte Spiritus!"
...und in ökumenischer Brüderlichkeit...
Auf der ganzen Welt häufen sich in den letzten Jahren Initiativen und Projekte, die Fürbitte und Gebet in den verschiedensten christlichen Konfessionen fördern sollen. Besonders in den aus der Reformation hervorgegangenen Gemeinden und Freikirchen wird der Ruf weltweit immer lauter, dem Gebet und der Fürbitte den Platz eizuräumen, der ihm gebührt. Es erscheinen unzählige Bücher, es entstehen Aktionen, Gruppen und Gemeinschaften, so dass man mittlerweile von einer "internationalen Gebetsbewegung" spricht. Auch für Katholiken inspirierend kann dabei der gerade in den letzten Jahren aufgebrochene Impuls sein, 24-Stunden-Gebetshäuser aufzubauen.
...zu unserer Berufung.
Seit Beginn der Charismatischen Erneuerung in Deutschland gab es auch Initiativen von und für Jugendliche. Doch erst in den späten 90er-Jahren sammelten sich die verschiedenen Gruppen und Gemeinschaften zu einer gemeinsamen Größe: der "Jugendarbeit der Charismatischen Erneuerung in der Kath. Kirche" (JCE). In den Jahren 2000-2005 wuchs diese Bewegung zahlenmäßig sehr stark, und viele Gruppen entstanden. In einzelnen JCE-Gruppen und unter der Leiterschaft der JCE wuchs nach und nach der Wunsch, eines Tages ein eigenes geistliches Zentrum und eine Jüngerschaftsschule zu haben. Gleichzeitig begannen einige JCE-Gruppen seit 2003, sich verstärkt für Fürbitte, Charismen und Gebet zu interessieren. Eine immer enger werdende Zusammenarbeit mit Kim Kollins führte dazu, dass aus den Reihen der JCE kühne Gebets- und Fürbittprojekte, sowie ein regelmäßig betendes Fürbitt-Team entstanden. In einer dieser Gruppen, die bereits 1996 gegründet war und sich seither sehr großen Wachstums erfreute (FCKW), entstand bereits 2003 die Vision eines Gebetshauses. Es war jedoch nicht vor 2005, dass dieser noch sehr vage Traum langsam anfing Gestalt anzunehmen.
Einer der Leiter der JCE, Johannes Hartl, hatte bereits seit 2003 vielfach mit Kim Kollins zusammengearbeitet. Als er während seines Doktorats in Theologie mit seiner Familie im Juni 2005 ein überkonfessionelles Gebetshaus in den USA besuchte, begann in ihm und seiner Frau eine konkrete Vorstellung davon zu wachsen, was auch in Deutschland möglich wäre - verbunden mit einem deutlichen Gefühl, die Führung Gottes in diese Richtung zu spüren. Wieder zurück in Deutschland, begannen sich Jugendliche und junge Erwachsene (hauptsächlich) aus der JCE um Jutta und Johannes und die noch sehr unkonkrete Vision von einem "Gebetshaus" zu scharen. Verschiedene Treffen, Gebetsnächte und gemeinsame Aktionen ließen die Zielvorstellung immer greifbarer werden. Jetzt, im Mai 2007, zählen sich ca. 40 junge Leute zu den Visionären des Gebetshauses. Nach einem langen Prozess des Betens und Wartens entschlossen wir uns, in Augsburg Hochzoll mit dem 24-Stunden-Gebet zu beginnen. Nachdem die ersten Gebetshaus-Pioniere dorthin gezogen sind, beginnen im Mai dort tägliche Gebetstreffen.
Seit September konnten Räumlichkeiten der Katholischen Pfarrgemeinde 12-Apostel benutzt werden. Die täglichen Gebetstreffen zogen immer mehr Menschen an, besonders der Donnerstag Abend mit Lehre wuchs bald auf 100 Besucher. Auch unsere erste Konferenz "MEHR", ein Vortragsabend mit Bruder Yun und ein "Tag am MEHR" waren mit 130, 250 bzw. 400 Besuchern überaus ermutigend. Am 7. Mai 2008 kam die Gebetshaus-Vision einen deutlichen Schritt weiter: wir konnten in unseren ersten eigenen Gebetsraum umziehen. Nach Umbauarbeiten ist der ehemalige Elektroladen in der Oytalstraße 25 nun ein gemütlicher, ästhetisch ansprechender Ort des Gebets. Im Sommer 2008 nehmen 15 Jugendliche und junge Erwachsene an der dreimonatigen Bibelschule "E1" teil, daraufhin steigt die Zahl der Mitarbeiter beträchtlich. Auch unsere jährlichen MEHR-Konferenz wachsen an Teilnehmerzahlen. Im Sommer 2010 nehmen 22 junge Leute an der "E1" teil, die wöchentliche Stundenzahl an Gebet im Gebetsraum steigt auf 100 und die MEHR 2011 wird von ca. 1000 Menschen (darunter ca. 100 Gäste aus dem europäischen Ausland) besucht.